Eine positive Zwischenbilanz zogen die Ökomodellregion Waginger See-
Rupertiwinkel und der Landschaftspflegeverband Traunstein bei der jüngsten
Baumpflanzaktion, die im Kirchanschöringer Ortsteil Lackenbach stattfand: Die Hälfte
der 1500 Obstbäume, die die beiden Vereinigungen seit Gründung der Ökomodell-
Region im Jahr 2014 neu setzen lassen wollten, sind geschafft. Ende vergangener
Woche wurde mit dem Pflanzen des 750. Streuobsthochstammes die wichtige 50-
Prozent- Schwelle überwunden. „Eine super Halbzeitbilanz“, waren sich Marlene
Berger-Stöckl von der Ökomodellregion und Carsten Voigt vom
Landschaftspflegeverband einig. Die beiden trafen sich auf dem Anger der Familie
Poller in der Finkenstraße, auf dem gerade 19 Schüler der Staatlichen Berufsschule
Traunstein III der Fachrichtung Gartenbau eine neue Obstwiese mit 16 jungen,
wuchsfreudigen Hochstamm-Bäumchen anlegten. Damit unterstützte die Schule den
Verband und die Region, die sich intensiv und fortlaufend für den Erhalt der
bestehenden Obstanger und -gärten und deren Neuanlage einsetzen und sich um
alles dafür Nötige kümmern.

Schüler der Staatlichen Berufsschule Traunstein III der Fachrichtung Gartenbau, die soeben
eine neue Obstwiese angelegt haben, mit ihren Lehrern (von links): Tristan Mayer, (ein
Name fehlt), Johanna Küster, Paul Gruber, Magdalena Gasteiger, Sebastian Maier,
Maximilian Huber, Ardian Murturi, Sebastian Kirchner, Josef Sieber, Martin Niedermaier,
Klaus Herold, Robert Winichner. Foto: Caruso

Auf Wunsch der Familie von Alexandra und Markus Poller hatte Carsten Voigt auf
deren Grundstück diese jüngste Pflanzmaßnahme organisiert. Dort durften die
Schüler dann einen Vormittag lang ihre Fertigkeiten ausprobieren. Zunächst erfuhren
die angehenden Landschaftsgärtnerinnen und -gärtner von Carsten Voigt und ihrem
Klassenleiter, Manfred Meier, sowie von ihren Fachlehrern, Josef Sieber und Klaus
Herold, alles Relevante zur Neuanlage, Pflege und Entwicklung einer
Streuobstwiese. Überdies erhielten sie eine ausführliche Pflanzanleitung, die
optimales Anwachsen garantiert. Danach hatten alle Gelegenheit, ein Pflanzloch
auszustechen, einen Wühlmauskorb aus Drahtgeflecht korrekt einzubringen,
Stützpfähle einzuschlagen, das Bäumchen anzupflocken, damit es ein stabiles Wurzelwerk bildet, und hölzerne Verbissschutz-Manschetten anzulegen.

Die beiden angehenden Landschaftsgärtner Dörk Heller aus Gollenshausen, der den Baum
festhält, und Jacob Nagl aus Berchtesgaden, der eingräbt, freuen sich, dass sie alle
Pflanzarbeiten korrekt ausgeführt haben. Foto: Caruso

Neben dem Vermitteln von Kenntnissen und Fertigkeiten wolle man den Schülern
auch den unschätzbaren Stellenwert von Streuobstwiesen näherbringen. Da gerade
diese Bäume das Biotop Streuobstwiese so einzigartig machen, indem sie vielen
Tierarten, wie etwa Fledermäusen, Spechten, Staren, Schleiereulen oder
Steinkäuzen, aber auch Hornissen einen Lebensraum bieten, ist das Nachpflanzen
von jungen Bäumen wichtig, damit es noch in 30 bis 40 Jahren alte, knorzige Bäume
gibt, die solche Tiere vor dem Aussterben bewahren. „Landschaftspflege macht man
immer für Mensch und Natur“, hieß es.

„Für die Pflanzung der Obstbäume ist der Herbst am günstigsten, allerdings darf der
Boden noch nicht gefroren sein. In dieser Zeit haben die Bäume das Laub bereits
abgeworfen und es regnet meist genug, sodass die Setzlinge nicht zusätzlich
gegossen werden müssen“, sagte Voigt. Die Tochter des Hauses- die sechsjährige
Johanna Poller- zeigte sich im Vorfeld aber etwas enttäuscht, denn sie hatte „Bäume
mit richtigen Blättern erwartet“.
Dann bestätigte Voigt, dass der Landschaftspflegeverband ein besonderes
Augenmerk auf die Auswahl standortgerechter und robuster sowie heimischer
Obstsorten legt. „Wir wollen die Vielfalt an Sorten erhalten.“ Heutzutage seien nur
noch rund 400 Arten bekannt, während es einst in Bayern rund 2000 verschiedene
gegeben habe. So pflanzte man auf dem neuen Anger in der Finkenstraße neben
zwei Birnen (die anspruchslose „Pastorenbirne“ und die Sommerbirne „Bunte
Julibirne“) und vier verschiedenen Zwetschgen, wie etwa die Hauszwetschge und die
Gelbe Spilling, auch Apfelsorten mit wohlklingenden Namen. Darunter waren der
Winterapfel „Himbeerapfel von Holovous“, der „Lavanttaler Bananenapfel“ und der
„Waginger Kalvill“.
Nach getaner Arbeit gab es für alle eine Brotzeit, gestiftet von der Familie Poller.

Schüler der Staatlichen Berufsschule Traunstein III der Fachrichtung Gartenbau, die soeben
eine neue Obstwiese angelegt haben, mit ihren Lehrern, der Eigentümerin des Angers, den
Vertretern des Landschaftspflegeverbandes und der Managerin der Ökomodellregion (von
links). Foto: Caruso
Interessenten, die eine Obstwiese anlegen oder durch Nachpflanzungen ergänzen
möchten, können sich in der Geschäftsstelle des Landschaftspflegeverbands
Traunstein bei Carsten Voigt unter Telefon 0861/583 93 melden, oder

bei der Ökomodellregion unter 08681/ 4005- 37.
Als zuständige Fachstelle wickelt der LPV alle Förderanträge ab. Denn sowohl die
Bäume (mindestens acht) als auch das notwendige Zubehör werden zu 70 Prozent
vom Freistaat und zu 30 Prozent vom Landschaftspflegeverband gefördert. Der
Verband lichtet zudem alte Baumbestände aus.
Im Übrigen übernimmt der Landschaftspflegeverband unter der Federführung von
Jürgen Sandner seit heuer auch die Bio-Sammelzertifizierung von Streuobst.
Dadurch kann das (Bio-) Obst zu einem deutlich höheren Preis an regionale
Keltereien verkauft und somit die Wertschöpfung erhöht werden. Man kümmert sich
um alle notwendigen Formalitäten mit der Bio-Kontrollstelle. So muss sich nicht mehr
jeder einzelne Obstgartenbesitzer damit auseinandersetzen. Auch hier arbeiten LPV
und Ökomodellregion Hand in Hand. Mitmachen können Landwirte, die für ihren
Betrieb kein Bio-Zertifikat haben, private Eigentümer von Streuobstwiesen,
Kirchenstiftungen oder auch Kommunen. Wichtige Kriterien: Die Bäume dürfen in
den vergangenen Jahren weder mit Spritzmitteln noch mit leicht löslichem
Mineraldünger behandelt worden sein. Für die Streuobstwiesenbesitzer ist die Aktion kostenfrei.

Quelle: Südostbayerische Rundschau vom 15.11.2018, Autorin ist Anneliese Caruso