Geopolitik ist ein Fachgebiet, zu dem es sehr wenig Bücher und praktisch keine Zeitungsartikel gibt. Gelegentlich wird es am Rande gestreift, wenn es gar nicht anders geht. Und meistens wird dann in unseren Medien ziemlicher Unsinn erzählt. Dabei ist es für den einzelnen Menschen höchst bedeutsam. Innerhalb dieser Politik, werden Kriege begonnen, beendet, Regierungen gewechselt, terroristische Aktivitäten durchgeführt, Druck ausgeübt und im günstigsten Fall motiviert. Auch Deutschland ist Teilnehmer dieses globalen Schachspiels, wenn es auch allenfalls die Rolle des Läufers spielen darf.

Dieses Buch zeigt Geopolitik aus seinem inneren Zirkel. Der Autor, ein gebürtiger Pole, war seit 1976 viele Jahre in den verschiedensten Ämtern der jeweiligen US-Regierungen aktiv. Geboren 1928 verstarb er 2017. Dieses Buch hat er 1997 geschrieben, also in einer Zeit, in der die USA noch bestrebt waren, den american way of live in der Welt positiv voranzubringen. Also vor 9/11, das den Krieg gegen den Terror ausgelöst hat. Jenes 9/11, das nach wie vor ungeklärt ist und aufgrund dessen der Nahe Osten angezündet wurde.

Brzeziński ist also nicht irgendwer, sondern wirkte maßgeblich an der Außenstrategie der USA mit. Dass dieses Buch auch von Regierenden ernst genommen wird, zeigt das Vorwort von Hans-Dietrich Genscher und der Kommentar von Helmut Schmidt.

Beim Lesen des Buches, gewinnt man den Eindruck, dass Nationen wie Einzelpersonen mit bestimmten Charakteren dargestellt werden. Ist das zulässig? Der Autor fragt hier niemanden und der Erfolg seiner Analyse gibt ihm Recht. Die USA hatten das Glück, in mindestens den letzten 100 Jahren keinerlei kriegerische Zerstörungen auf eigenem Territorium hinnehmen zu müssen. Die Intelligenz des Landes hatte also genug Zeit und Muße, im Rahmen von sogenannten think-tanks die anderen Völker eingehend zu studieren und die dort bestehenden Differenzen für eigene Zwecke auszunutzen.

Nicht weil ich zu faul bin für eigene Formulierungen, bringe ich im Folgenden ein paar Zitate aus dem Buch, die besonders bezeichnend sind und das Verständnis der amerikanischen Denkweise besonders fördern:

„Die Nordatlantische Allianz, die unter dem Kürzel NATO firmiert, bindet die produktivsten und einflussreichsten Staaten Europas an Amerika und verleiht den USA selbst in innereuropäischen Angelegenheiten eine wichtige Stimme.“ „Als Teil des amerikanischen Systems muss außerdem das weltweite Netz von Sonderorganisationen, allen voran die internationalen Finanzinstitutionen, betrachtet werden. Offiziell vertreten der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank globale Interessen und tragen weltweit Verantwortung. In Wirklichkeit werden sie jedoch von den USA dominiert, …“. „Die Ukraine, ein neuer und wichtiger Raum auf dem eurasischen Schachbrett, ist ein geopolitischer Dreh- und Angelpunkt, weil ihre bloße Existenz als unabhängiger Staat zur Umwandlung Russlands beiträgt.“ „Allerdings kann sich eine Koalition, die Russland mit China und dem Iran verbände, nur dann entwickeln, wenn die USA so kurzsichtig sind, sich China und den Iran gleichzeitig zum Feind zu machen.“

Beim Lesen des Buches bekommt man den Eindruck, dass in der Geopolitik ein sehr kindliches Verhalten vorherrscht. Während im Kindergarten noch fehlende Erziehung die Ursache ist, werden auf der Weltbühne offensichtlich nicht mal rudimentäre Regeln eingehalten. Dabei hätten wir in der UNO ein Verhaltensregelwerk. Aber was hilft es, wenn es von der größten Militärmacht USA nicht angewendet wird. Was vom Schreibtisch (= das Buch) relativ harmlos klingt, ist in der Praxis menschliches Leid und Grausamkeit. Was die USA schon alles verbrochen hat, wurde von Wikipedia sauber aufgelistet: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Milit%C3%A4roperationen_der_Vereinigten_Staaten. 99 Militäraktionen, wenn ich richtig gezählt habe, fast alle illegal, weil völkerrechtswidrig. Ergänzt wird diese Liste durch tausende CIA-Aktionen, von denen zumindest 31 nachgewiesen sind (https://de.wikipedia.org/wiki/Central_Intelligence_Agency). Morde, Drogenhandel, Folter, Vergewaltigung, Geldwäsche, das ganze Spektrum krimineller Machenschaften ist in diesen Kreisen an der Tagesordnung. Und nicht nur einfach so ein bisschen, nach der Devise „sie hatten einen schlechten Tag“ oder so. Nein, richtig grob, ständig und auch heute noch. Die Mafia erscheint dagegen wie ein Kindergeburtstag.

Die Motivation? Westliche Werte? Es darf herzlich gelacht werden. Wenn man heute Länder wie Libyen, Syrien, Afghanistan oder den Irak anschaut, kann man sich vorstellen, wie dankbar die Leute für die vom Westen gebrachte Demokratie sind. Das Wort „democracy“ ruft dort nur Grauen hervor und die bei uns so geschätzten vom Westen gebauten Brunnen und Mädchenschulen sind einfach nicht zu finden. Machtgeilheit? Ja, schon eher. Aber letztlich sind es einfach Bodenschätze. Oder wie der Kabarettist Volker Pispers sagt: „Ist das nicht ungerecht? In Russland gibt es Gas, im Nahen Osten Erdöl. Und bei uns nur Kohle, die noch nicht mal von allein aus der Erde kommt.“

Hoffnung macht mir dabei ein Prinzip, das noch weitgehend unbekannt ist. Jedes neu geborene Kind bringt ein bisschen Freundlichkeit in die Welt. Klar, in unseren Systemen wird alles dafür getan, diese Freundlichkeit sobald als möglich zu vernichten. Aber trotzdem bleibt etwas und das wird uns zu Kooperation statt Konkurrenz führen. So ist es also nur eine Frage der Zeit, bis die alten, verhärmten Mistböcke wie dieser Brzeziński und andere Verbrecher auf Regierungsebene aussterben und unsere Jugend mit einer anderen Sichtweise der Welt mächtige Positionen ausfüllt. Hoffentlich überstehen wir die Zeit bis dahin.

Verfasser: Reinhard Melz, Petting

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