Schweizer Friedensforscher Dr. Daniele Ganser beeindruckt in Anger 330 Zuhörer

Anger – „Bis er den Kreis seines Mitgefühls auf alles Lebendige ausdehnt, wird der Mensch selbst
keinen Frieden finden“, zitierte der renommierte Schweizer Friedensforscher Dr. Daniele Ganser in
Anger Albert Schweitzer. Dass das heute noch so aktuell ist wie 1923, zeigte er in seinem Vortrag
zum Thema „Illegale Kriege und die Medien“ auf der Fürmann Alm im ausverkauften Heustadel-
Saal vor 330 Zuhörern.
„Die Probleme des 21. Jahrhunderts dürfen nur friedlich gelöst werden“, sagte Alexandra Poller
aus Kirchanschöring von der Friedensbewegung Bayern Südost, die Gansers ganzheitlicher Zugang
so überzeugte, dass sie ihn in die Region holte. Geschichtliches und philosophisches Wissen
verbindet der Schweizer mit einer fundierten Kenntnis der internationalen Beziehungen und der
Medienlandschaft. „Mein Ziel ist, die Friedensbewegung zu stärken“, bekannte der 46-Jährige.
Kriege würden heute wie ein Produkt verkauft, und zwar durch Lügen. Um der Gewaltspirale
Lügen-Angst-Wut-Krieg zu entrinnen, können nach Gansers Ansicht vier „Instrumente des
Friedens“ helfen: die Vision einer Menschheitsfamilie, das Respektieren des UNO-Gewaltverbots,
die Stärkung der eigenen Medienkompetenz und die Kultivierung von Achtsamkeit.
Da wir alle sehr verschieden seien, sei ein Leben ohne Konflikte nicht möglich. Das Problem ist
für Ganser: „Wir lassen uns aufspalten.“ Etwa nach Religion, Nation, Partei oder Hautfarbe. Hier
hatte er ein treffendes Zitat des niederländischen Zoologen Franz de Waal dabei: „Der Mensch ist
geradezu ein Spezialist darin, andere auszugrenzen“. Bestimmte Gruppen nenne er schnell, so das
Zitat weiter, „Unmenschen oder Tiere. Schon ist es leicht, die Unmenschen zu eliminieren, weil
man kein Mitgefühl mehr mit ihnen haben muss.“ Für Konflikte im Alltag empfahl er, nach dem
ersten Ärger vor sich hin zu sagen: „Der gehört auch zur Menschheitsfamilie.“ Wie weit die
Abspaltung führen kann, veranschaulichte er mit einer Aussage des US-Kriegsverbrechers William
Calley über ein Massaker in Südvietnam 1968, bei dem 173 Kinder und 76 Babys starben: „…wir
waren nicht da, um menschliche Wesen zu töten. Wir waren da, um eine Ideologie zu töten.“
Im 1. Kapitel der UNO-Charta von 1945 steht unmissverständlich: „Alle Mitglieder unterlassen
in ihren internationalen Beziehungen (…) jede Anwendung von Gewalt.“ Da wir in einer NATO-
Welt lebten, sei es unangenehm zuzugeben, dass diese unsere Welt andere Länder in Schutt und
Asche lege. Nicht Irak, Syrien und Afghanistan seien die Angriffsländer. Der international
anerkannte Stabilitätsmechanismus „UNO-Gewaltverzicht“ müsse öfter in den Medien und in der
Schule erwähnt werden; denn was erwähnt oder nicht erwähnt werde, präge den Verstand. Es gelte,
nicht nur die Gewalt, sondern auch die Lüge und Manipulation zu beenden. Für deren verrückte
Auswüchse brachte Ganser viele Beispiele, wie der Invasion der USA auf Kuba 1961, bei der die
CIA die B20-Bomber mit Kubas Emblemen angemalt habe, um zu beweisen, dass dies angeblich
eine Aktion von kubanischen Deserteuren gewesen sei, oder die geheime CIA-Operation in Syrien
2011 unter Obama. Begriffe würden einfach ausgetauscht. Im so genannten „Krieg gegen die
Terroristen“ hätten die USA die Terroristen bewaffnet. Eine CIA-Operation habe auch die
Regierung in der Ukraine gestürzt. Sicher, Putin habe sich auch die Krim geholt, doch viele Medien
ließen den CIA-Putsch vorher einfach weg. „Es kommt drauf an, wo man die Zeitlinie zieht.“
Zum Thema „Medienkompetenz“ empfahl Ganser, eher Vorträge zu hören oder Bücher zu lesen,
die mehr in die Tiefe gehen können, als Fernsehen und Kurzmeldungen zu konsumieren. „Der
Verstand kann mit ganz kurzen Einheiten nichts anfangen.“ Mit einem „Medien-Navigator“ zeigte
er auf, wie NATO-konform und wie konservativ oder egalitär die Position diverser Medien ist. Dass
sich die Boulevard-Presse und Intellektuellen-Blätter oft nur in der Aufmachung, nicht in ihrer
Position, unterscheiden, sah man anhand von Schlagzeilen vom 8. April 2017. „Trump rächt Syriens
vergaste Kinder“, titelte die Bildzeitung und „Eine notwendige Strafe für Asad“ die Neue Züricher
Zeitung. Auch an das „kollektive Trauma 9/11“ wagte sich Ganser und riskierte die
gesellschaftliche Isolation. Seine Frau habe ihn ermutigt, sich selbst treu zu bleiben. Angesichts der
Tatsache, dass auch ein drittes Gebäude („WTC7“) einstürzte und die BBC irrtümlich bereits vor

dessen Einsturz darüber berichtete, befragte er einen Statiker. „Nach meiner Meinung ist das
Gebäude WTC7 mit großer Wahrscheinlichkeit fachgerecht gesprengt worden“, war die Auskunft.
„Achtsamkeit hat mir geholfen, völlig glücklich zu bleiben, während ich Terror und Lüge
analysiere“, mit diesen Gedanken schloss Ganser. Er ermutigte dazu, sich eine digitale Auszeit zu
nehmen, in die Natur zu gehen, die eigenen Gefühle und Gedanken aus der Distanz zu beobachten.
Das Echo im Saal: Begeisterung, Betroffenheit und tiefer Respekt. Reges Interesse fanden
Gansers Bücher. Alexandra Poller schlug Ganser bereits zu Beginn für den Friedensnobelpreis vor.
Von der Begegnung mit dem „hochintelligenten Menschen, der das Herz am rechten Fleck“ habe,
zeigte sich Bergbäuerin Gertraud Angerpointner bewegt. „Es hängt auch da alles miteinander zusammen. Ob
wir Frieden haben oder nicht, hängt an vielen seidenen Fäden.“ Georg Planthaler bedankte sich mit
Almkräutertee und dem Buch „Mein Einsatz für die bäuerliche Zukunft“ von Franz Rohrmoser.
Veronika Mergenthal

Fotos:

(Titelfoto: Dr. Ganser) Immer wieder schlug Dr. Daniele Ganser in seinem authentischen Auftritt die
Brücke zu Alltagserfahrungen.

(Ganser_Organisatorin) „Die Probleme des 21. Jahrhunderts dürfen nur friedlich gelöst
werden“, sagte die Organisatorin des Vortrags, Alexandra Poller, in ihrer Begrüßung.

 

Fotos: Mergenthal